Schwan (Cygnus) und Leier (Lyra)
Die Muse Kalliope schenkte dem Flussgott Oiagros in Thrakien einen Sohn namens Orpheus. Der Junge ähnelte mit seinen
Löckchen sehr dem Gott Apollon. Orpheus hatte eine große musikalische Begabung. Kalliope brachte Orpheus zum
Kentauren Cheiron, dem Lehrer vieler berühmter Helden. Hier nutzte Orpheus jede Gelegenheit, um mit der goldenen Leier
seines Lehrers zu spielen.
Orpheus wurde der bedeutendste Sänger der Griechen. Die Lieder wurden noch zauberhafter, als er sich mit der Nymphe
Eurydike vermählte. Jedoch schon kurz nach der Hochzeit trat Eurydike beim herumtollen auf eine Schlange, die ihre
Giftzähne sofort in ihren Fuß schlug. Orpheus vefiel in eine tiefe Trauer, als er seine geliebte Frau tot
vorfand. Er beschloß, in das Schattenreich des Hades zu gehen und ihn zu bitten, ihm Eurydike wiederzugeben.
Der Fährmann Charon wollte Orpheus trotz seiner Bitten nicht in das Schattenreich bringen. Nur die Toten seien seine
Fahrgäste. Erst als Orpheus in seiner Trauer auf der goldenen Leier spielte, ruderte Charon den Sänger
unbewußt ans andere Ufer. Orpheus machte sich nun auf den Weg zum Tron des Hades.
Bezaubert von Orpheus Liedern versprach Hades Eurydike freizulassen, wenn Orpheus eine Bedingung erfülle. Der
Sänger sollte geführt von Hermes und gefolgt von Eurydike das Reich des Hades verlassen, jedoch ohne sich auch
nur einmal umzuwenden. Würde sich Orpheus auch nur einmal umwenden, wäre seine Gemahlin auf ewig verlohren.
Orpheus nahm die Bedingung an. Auf seinem langen Weg konnte er Eurydike nicht höhren, da diese ja noch ein seelenloser
Schatten war. Den Sänger kamen immer mehr Zweifel, ob seine Frau ihm auch wirklich folgte. Als die Strahlen des Helios
bereits das Dunkel durchdrangen,wandte sich Orpheus um und sah den Schatten seiner geliebten Frau. Bevor er sie jedoch in
seine Arme nehmen konnte entschwand sie wieder im Reich des Hades. Orpheus machte sich schwere Vorwürfe, da Eurydike durch
seine Schuld auf immer verlohren schien. Seine Lieder verstummten und er kehrte verzweifelt nach Thrakien zurück, wo er
vier Jahre lang trauerte.
An einem Frühlingstag erwachte Orpheus wie aus einem tiefen Schlaf. Die Natur zeigte sich von ihrer schö,nsten
Seite. Da nahm Orpheus seine Leier und begann auf einem Hügel seine Lieder zu singen. Die Lieder höhrten auch
einige kikonische Frauen, die das Bacchanal feierten. Eine von ihnen, stockbetrunken, zeigte auf Orpheus und kreischte, er
sei ihr Feind, der Frauenverächter. Da fielen die Frauen mit Knüppeln über Orpheus her und schlugen ihn tot.
Seine Leier und seinen blutüberströmten Kopf warfen sie in das Wasser des Flusses Hehros.
Im Schattenreich begegnete Orpheus dem Schatten seiner Eurydike und nichts konnte sie nun wieder trennen. Die Götter
verwandelten den unsterblichen Sänger in einen weißen Schwan und trugen ihn an den Himmel. Auch die Leier wurde
von den Göttern in ein Sternbild verwandelt. Seitdem fliegt Orpheus als Schwan den Erde und somit seiner geliebten
Eurydike entgegen.
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Erstellt: 23.06.2003